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Ordovizquarzit-Gerölle

Exponaten-Nr.: . Inventar-Nr.: 1.3.1
Name (Umgangssprache): Quarzit
Name (Wissenschaftlich): Quarzit
Alter: Ordovizium
Fundort: Münzenberg
Bild Ordovizquarzit-Gerölle
Beschreibung und Entstehung des Exponates:


Die von R. Huckriede in Münzenberg entdeckten grau geaderten Quarzitgerölle sind die ältesten fossilführenden Gesteinen Hessens. Im Gegensatz zu den etwas jüngeren weniger harten weißen Andreasteich-Quarzit-Geröllen von Gießen-Kleinlinden, deren Fossilien in den Faunenkreis des antarktisnahen gondwanischen Ordoviziums gestellt werden, gehören die Fossilien der grau geäderten Quarzitgerölle dem nördlicher gelegenen avalonischen Faunenkreis an. Die grau geäderten Ordovizgerölle finden sich vorwiegend in den tertiären Schichten von Münzenberg, Rockenberg, Leihgestern bis hinein in die tertiären Meeressande, die in der Sandgrube am Gießener Nordkreuz gewonnen werden.

Ebenso, wie die Herkunft der Andreasteich-Quarzitgerölle bis jetzt im Dunkeln liegt, ist auch die Quelle der avalonischen Quarzitgerölle unbekannt.

Wahrscheinlich ist, daß die Ursprünge beider Sedimentgesteine, die sich in den voneinander weit entfernten unterschiedlichen ozeanischen Sedimentationsräumen, ggf. auch schelfmeerischen Sedimentationsräumen, zwischen dem im Ordovizium vergletscherten Nordafrika, das damals Bestandteil des antarktisnahen Gondwana war, und dem etwas wärmeren, weil nördlicheren Avalonia, auf einer gemeinsamen Ozeankruste liegen.

Letztlich als Ergebnis der Subduktion dieser Ozeankruste in dem dabei vollkommen verdrängten Ozean auf der die Sedimente zum Absatz kamen, und der dabei einsetzenden Gebirgsbildung wurden die vorher weit voneinander entfernten Sedimentpakete auf engem Raum zusammengestaucht, dabei zu Quarziten gewandelt, verschoben und schließlich emporgehoben, bis sie schließlich bei der gebirgseinebnenden Verwitterung auf verschlungenen Wegen zu Geröllen zerkleinert schließlich über die nahezu gleiche Örtlichkeit gestreut wurden.

Die Lage der Gesteinsformationen als Quelle, aus denen die beiden Ordovizgerölltypen durch Verwitterungsprozesse während des Tertiärs freigesetzt wurden, sind uns bis heute verborgen geblieben. Für die avalonischen Gerölle ist angenommen worden, daß diese Lage möglicherweise unter den basaltvulkanischen Erstarrungsgesteinsschichten des Vogelsbergs verborgen liegt. Für die in oligozänen Sedimenten am Gießener Nordkreuz und Leihgestern liegende avalonische Ordovizgerölle  und ggf. auch die in entsprechenden Sedimentschichten liegenden weißen Andreasteich-Quarzitgerölle von Kleinlinden, die zeitlich ja vor dem Vogelsberg-Vulkanismus abgelagert wurden, mag das zutreffen. Dem steht aber entgegen, daß die avalonischen grauadrigen Ordovizgerölle aus dem Münzenberg-Rockenberger Raum massiert erst gegen Ende des Miozän, also vor ca. 5 Millionen Jahren, auftreten. Deshalb wird hier angenommen, daß die Münzenberger und Rockenberger Ordovizgerölle zunächst in oligozänen Sedimenten abgelagert wurden, die dann im ausgehenden Miozän - ausgelöst durch den fallendem Meeresspiegel und den dadurch bedingten Anstieg der Erosionsgeschwindigkeit der Fließgewässer ausgelöst - erodiert und umgelagert wurden und schließlich im Münzenberg-Rockenberger Raum in der Brandungszone des zurückweichenden Meeres gegen Ende des Miozäns wieder zur Ablagerung kamen.

Quellen: 
   Unter anderem 
   Geologische Karte von Hessen 1: 25 000, Blätter 5518 Butzbach, 5418 Gießen;
   R. Huckriede: Die Ordoviz-Gerölle des hessischen Tertiärs und ihre Verwendung in der pleistozänen  Geröllkultur; 
   Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie, Abhandlungen Bd. 111, Seiten 234 - 256; 1960
 
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